Über Roasters United, einen Zusammenschluss mehrerer Röster, pflegt Sam langfristige Partnerschaften mit Produzenten in verschiedenen Ursprungsländern. Die Bauern werden regelmässig besucht, weshalb der Austausch direkt und persönlich ist. Vor Kurzem besuchte Sam Kaffeeanbauer in Indien. Er hat nicht nur Gespräche geführt, sondern auch selbst bei der Ernte und Aufbereitung mitgeholfen. Zurück in der Schweiz bringt er neben Rohkaffee auch fundiertes Kaffeewissen und spannende Eindrücke mit.
Die Bauern, die mit Roasters United zusammenarbeiten, setzen bei der Kaffeeanbauweise auf eine sogenannte Permakultur. Doch was ist Permakultur?
Bei der Permakultur handelt es sich um ein nachhaltiges, ökologisches Anbausystem. Dabei wird Kaffee als Mischkultur zusammen mit anderen Pflanzen im Einklang mit der Natur kultiviert. Anders als in klassischen Monokulturen wächst Kaffee hier nicht in endlosen Reihen auf freiem Feld. Er steht stattdessen eingebettet in ein vielfältiges Ökosystem, einen sogenannten Waldgarten. Rund um die Kaffeebäume wachsen Schattenbäume und Nutzpflanzen, beispielsweise Obstbäume, Bananenstauden, Papaya oder Gewürzpflanzen. Dieses Zusammenspiel ist kein Zufall, sondern folgt einem System. Kaffee ist von Natur aus ein Unterholz im Wald und mag keine direkte, intensive Sonneneinstrahlung. Die höheren Bäume regulieren Licht, Temperatur und Feuchtigkeit, schützen vor Starkregen und Wind und schaffen so ein stabiles Mikroklima.
Ein zentraler Gedanke der Permakultur ist der natürliche Kreislauf. Wenn Blätter zu Boden fallen, zersetzen Mikroorganismen das organische Material. Dabei entstehen wertvolle Nährstoffe, die dem Boden wieder zugeführt werden. So entsteht Humus, der die Feuchtigkeit besser speichert, und das Bodenleben bleibt aktiv und gesund. Der Vorteil darin ist, dass keine künstlichen oder chemischen Pflanzenschutzmittel benötigt werden. Dadurch bleibt das Ökosystem in der Permakultur stabil. Da unterschiedliche Pflanzen unterschiedliche Wurzeltiefen haben, verschiedene Nährstoffe aus dem Boden holen und vielfältige Pflanzenstoffe produzieren, ergänzen sie sich gegenseitig. Die Biodiversität wirkt zudem wie ein natürlicher Pflanzenschutz: Schädlinge können sich weniger stark ausbreiten, weil das System im Gleichgewicht bleibt.
- Gesunder Boden und natürlicher Nährstoffkreislauf
- Höhere Biodiversität
- Bessere Klimaresistenz
- Chemisch unbelasteter Bio-Kaffee
Permakultur im Kaffeeanbau bedeutet auch mehr Handarbeit: Von der Pflege der Mischkulturen über das manuelle Entfernen von Unkraut bis hin zur selektiven Ernte ist vieles nicht automatisierbar. Gleichzeitig fallen die Kaffeeerträge pro Fläche geringer aus, da sich die Kaffeepflanzen den Raum mit anderen Kulturen teilen. So entsteht ein stabileres, vielfältigeres Ökosystem.
Wie Kaffee angebaut und aufbereitet wird, entscheidet massgeblich über Geschmack, Qualität und Nachhaltigkeit in der Tasse. Im nächsten Teil unserer Reihe From Bean to Cup tauchen wir mit Sam tiefer in den Aufbereitungsprozess ein und erfahren, wie aus den frisch gepflückten Kirschen exportfertige Bohnen werden.